Trauma bei Kindern erkennen: Warum es so schwer ist und worauf Du achten darfst

Ein Trauma zeigt sich oft anders, als Du denkst. Woran Du es bei Deinem Kind erkennst, warum es mit ADHS verwechselt wird und wo Du Hilfe findest.

Meine Tochter war vier, als sie anfing, sich Dinge zu wünschen und sie ein paar Tage später kaputt zu machen. Abends hat sie nicht geschlafen. Egal, was ich versucht habe.

Warum macht sie das? Mache ich etwas falsch? Warum geht es ihr nicht gut?

Diese drei Fragen liefen bei mir jahrelang in Dauerschleife.

Ideen hatte ich einige. Den Gedanken an ein Trauma habe ich schnell beiseite geschoben. Es war aus meiner Sicht nichts so Schlimmes in unserem Leben passiert und ich konnte es mir auch nicht vorstellen. Selbst die vielen Therapeuten, die wir in den folgenden Jahren aufgesucht haben, sind auf vieles andere gekommen, jedoch nicht auf ein Trauma.

Vielleicht beobachtest Du gerade Dein Kind und etwas kommt Dir komisch vor. Vielleicht lebt ein Pflegekind bei Dir und Du weißt, dass es eine Geschichte mitbringt, die Du nicht vollumfänglich kennst. Hier erfährst Du, wie ein Trauma entsteht, woran Du es erkennen kannst und warum selbst Fachleute es so oft übersehen.

Was ist ein Trauma eigentlich?

Dein Kind erlebt etwas, dem es nichts entgegensetzen kann. Es kann sich nicht schützen und nicht wehren. Es ist hilflos und ausgeliefert. Und dieses Gefühl erschüttert, wie Dein Kind sich selbst und die Welt danach sieht.

In der Fachsprache klingt das so:

„Ein Trauma wird verstanden als ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und eigenen individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit dem Gefühl von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltbild bewirkt.” — Fischer & Riedesser, 2009

Nicht nur Krieg und Gewalt

Ein Hundebiss. Eine Trennung. Ein Unfall. Alles davon kann traumatisierende Folgen haben. Für das Nervensystem eines Kindes kann ein alltägliches Ereignis genauso verheerend sein wie eine Katastrophe.

„Das Trauma liegt nicht im Ereignis, es ist vielmehr so, dass sich das Trauma im Nervensystem befindet.”¹

Das erklärt, warum zwei Kinder dasselbe erleben und nur eines traumatisiert bleibt.

Ein Kind stürzt vom Fahrrad und lacht zwei Minuten später wieder. Ein anderes Kind stürzt genauso und meidet danach monatelang das Fahrrad. Der Unterschied liegt im Nervensystem, das den Sturz verarbeitet oder eben nicht.

Welche Ereignisse können ein Trauma auslösen?

Die Bandbreite reicht von dem, was Eltern sofort als Katastrophe erkennen, bis zu Dingen, die völlig normal wirken.²

Unfälle und Stürze

Ein Sturz von der Treppe. Ein Fahrradunfall. Ein Autounfall, auch bei niedrigem Tempo. Oder das Gefühl, beinahe zu ertrinken.

Beim Arzt und im Krankenhaus

Eine OP, eine Behandlung beim Zahnarzt, Spritzen, ein Gipsverband. Eine schwere Erkrankung mit hohem Fieber. Komplikationen rund um die Geburt.

Gewalt und Angriffe

Mobbing in der Schule oder unter Geschwistern. Ein Tierbiss. Gewalt in der Familie, Missbrauch, Krieg und Vertreibung.

Verlust

Eine Scheidung. Der Tod eines geliebten Menschen oder Haustiers. Sich im Kaufhaus zu verlieren.

Was von außen auf Dein Kind einwirkt

Eine Naturkatastrophe. Plötzlicher lauter Lärm, besonders wenn ein Kleinkind dabei allein ist. Bei Säuglingen auch extreme Hitze oder Kälte.

Vielleicht steht hier etwas, das Du sofort wiedererkennst. Vielleicht steht hier auch nichts von dem, was du erlebst und Dein Gefühl bleibt trotzdem. Beides ist ein guter Grund, weiterzulesen.

Woran erkennst Du ein Trauma bei Deinem Kind?

Die Anzeichen fallen in vier Bereiche.

Übererregung

Der Körper Deines Kindes steht unter Dauerstrom. Es schläft schlecht ein oder wacht nachts auf, ist leicht abzulenken, wirkt hibbelig und angespannt. Gefühle kippen schnell und heftig, die Frustrationstoleranz scheint bei null.

Überwältigende Erinnerungen

Das Erlebte holt Dein Kind ein. Bei einem Flashback erinnert sich Dein Kind nicht an die Situation — es erlebt sie noch einmal, mit allen Sinnen und in voller Wucht. Dazu kommen Albträume, manchmal ein Spiel, in dem es die Situation wieder und wieder nachstellt. Ausgelöst wird das durch einen Trigger: einen Reiz von außen, der Dein Kind zurück ins Erlebte holt. Ein Geruch, ein Geräusch, ein Tonfall, ein Gesicht.

Wege, sich Erleichterung zu verschaffen

Dein Kind sucht sich etwas, das den inneren Druck senkt. Bei kleinen Kindern der Daumen oder die Babyflasche. Bei älteren Essen, Musik in voller Lautstärke, später Alkohol oder Selbstverletzung.

Was Körper und Seele sonst zeigen

Schuldgefühle. Wenig Zutrauen zu sich selbst. Bauch- oder Kopfschmerzen ohne Befund. Essen, das zum Thema wird.

Wie sich das je nach Alter zeigt

Säuglinge und Kleinkinder verschließen sich. Das Baby „friert ein” — eine automatische Reaktion des Nervensystems. Andere lassen sich kaum beruhigen und wollen sich von ihrer Bezugsperson nicht trennen.

Klein- und Vorschulkinder fallen in frühere Verhaltensweisen zurück: wieder einnässen, Daumen, Flasche. Meine Tochter war in diesem Alter, als sie sich Dinge wünschte und sie wenige Tage später zerstörte. Und abends nicht schlief, egal was ich versuchte. Ich habe beides damals als Trotz gelesen.

Schulkinder zeigen meist zuerst die Übererregung. Wir haben unserer Tochter einmal einen großen Wunsch erfüllt, um ihr ein schönes Wochenende zu schenken. Als es so weit war, fand sie es nur noch blöd und konnte sich gar nicht freuen. Damals wusste ich nicht, dass auch das zu den Trauma Symptomen gehört.

Jugendliche betäuben ihre innere Erregung mit Essen, Alkohol, Drogen, Sex oder Musik. Manche verletzen sich selbst, weil sie sich nicht mehr spüren und auf diesem Weg zurück zu sich finden. Mehr dazu in [Kind ritzt sich: Was Dir niemand sagt].

In der Schule fällt all das besonders auf, weil der Leistungsdruck den Stress zusätzlich hochtreibt. Genau hier entstehen die Fehldiagnosen: ADHS, Depression, Verhaltensauffälligkeit.

Wo Du Hilfe findest

Hol Dir Hilfe. Lieber einmal mehr als einmal zu wenig. Kommt Dir an Deinem Kind etwas komisch vor, lass es abklären. Niemand erwartet von Dir, dass Du selbst herausfindest, was los ist.

  • Elterntelefon der Nummer gegen Kummer: 0800 111 0 550 (kostenlos, Mo-Mi–Fr 9–17 Uhr, Di und Do 9 bis 19 Uhr)
  • Kinder- und Jugendtelefon: 116 111 (kostenlos) Montags bis Samstag von 14 bis 20 Uhr
  • Erziehungsberatungsstelle in Deiner Stadt (kostenlos und ohne Überweisung)
  • Kinderschutzdienst Deiner Stadt oder Kommune
  • Kinderarzt
  • Kinder- und Jugendpsychotherapeut:innen
  • Traumaambulanzen

Und wenn Du erstmal nur jemanden brauchst, der zuhört: Dafür ist mein Kennenlerngespräch da.

Trauma oder ADHS? Warum beides verwechselt wird

Übererregung, Konzentrationsschwierigkeiten, Unruhe: Bei Trauma und ADHS sieht das von außen gleich aus. Der Unterschied liegt in dem, was dahintersteckt.

Meine Geschichte: Die Diagnose kam zuerst, das Trauma blieb unentdeckt

Mit vier waren wir wegen der Auffälligkeiten das erste Mal beim Kinderarzt. Die Diagnose ADHS stand schnell fest.

Acht Jahre lang haben wir alles Mögliche ausprobiert. Nichts hat wirklich geholfen. Auf die Idee, dass ein Trauma dahinterstecken könnte, kam in dieser Zeit niemand.

Bis meine Tochter mir eines Tages etwas erzählt hat, das alles erklärte.

Was ich daraus mitgenommen habe: Die Anzeichen eines Traumas deuten auf ganz verschiedene Erkrankungen hin. Eine Diagnose, die schon im Raum steht, schließt eine andere Spur nicht aus.

Fühlt sich für Dich etwas nicht stimmig an, geh dem weiter nach. Ein unbehandeltes Trauma wirkt sich auf das ganze Leben aus. Gleichzeitig heißt das nicht, dass jedes Kind mit Auffälligkeiten ein Trauma hat.

Trauma bei Kindern erkennen heißt auch, diese Möglichkeit überhaupt in Betracht zu ziehen, selbst wenn eine andere Diagnose schon feststeht.

Mehr zu Trauma und ADHS: Hannah Schmidt-Pott hat die fachlichen Unterschiede ausführlich aufgeschrieben.

Dissoziation – wenn Dein Kind innerlich abschaltet

Bei Gefahr kennt das Gehirn drei Reaktionen: Kampf, Flucht oder Erstarren. Kleine Kinder können nicht kämpfen und nicht fliehen. Also bleibt ihnen das Erstarren.

Wenn Schreien nicht hilft und niemand kommt, friert das Kind ein: körperlich, emotional und im Denken. Kommen jetzt Forderungen oder Druck von außen dazu, wächst die Angst weiter. Genau das kippt das Erstarren in echte Dissoziation.³

Ein Kind in Dissoziation wirkt empfindungslos, reaktionslos, wie weggetreten. Es hört nicht, antwortet nicht, tut nichts.

Ausgelöst wird das durch einen Trigger, und der muss dem ursprünglichen Ereignis gar nicht ähneln. Es reicht ein Parfüm, das jemand trägt. Eine Stimmlage. Eine Person, die ungefähr aussieht wie jemand aus dem Erlebten. Schon sind Angst und Hilflosigkeit wieder da. Bei traumatisierten Kindern reichen oft winzige Auslöser.

Schwer wird das, solange Du das Trauma Deines Kindes noch nicht kennst. Vielleicht denkst Du in solchen Momenten: „Hier ist doch gar nichts, was hat sie denn schon wieder?” Dabei erlebt Dein Kind die Gefahr gerade genauso intensiv wie beim ersten Mal und Du kannst das nicht sehen.

Was Du in so einem Moment tun kannst: Bleib ruhig. Verlasst nach Möglichkeit die Situation. Und lass Dein Kind nicht allein. Es muss aus diesem Zustand wieder heraus und braucht Dich dabei. Schreib Dir danach auf, was vorgefallen ist. So erkennst Du mit der Zeit ein Muster, und Du hast etwas in der Hand, das Du einem Therapeuten zeigen kannst.

Für solche Momente gibt es den Notfallkoffer: ein persönliches Set an Dingen, die Deinem Kind zurück ins Hier und Jetzt helfen. Riechöle, Kälte, ein intensiver Geschmack. Wie Du ihn zusammenstellst und welche Regeln dabei gelten, zeige ich Dir in einem eigenen Artikel.

Bindungsstörung: Was hinter dem Begriff Bindungstrauma steckt

Eine Bindungsstörung entsteht durch Vernachlässigung, Misshandlung oder Deprivation — also dadurch, dass ein Kind über lange Zeit ohne das aufwächst, was es zum Leben braucht: Zuwendung, Schutz, jemanden, der verlässlich da ist. Dazu zählt auch, wenn die Bezugspersonen ständig wechseln.

Und damit ist etwas anderes gemeint als eine schwierige Zeit. Eine Grippe, in der Du eine Woche flachliegst. Eine Zeit, in der Du selbst am Ende Deiner Kräfte bist und weniger geben kannst, als Du möchtest. Nichts davon beschädigt die Bindung Deines Kindes. Kinder brauchen keine perfekte Mama.

Die Diagnose stellen Fachleute zwischen dem ersten und dem fünften Lebensjahr. Sie zeigt sich in zwei Formen:

Reaktive Bindungsstörung

Das Kind wendet sich nicht an neue Betreuungspersonen, wenn es Trost oder Hilfe braucht. Es holt sich keine Nähe, auch wenn es ihm schlecht geht. Die gute Nachricht: Bei guter Fürsorge verschwinden diese Anzeichen in den meisten Fällen mit der Zeit wieder ganz.

Bindungsstörung mit sozialer Enthemmung

Das Kind wendet sich an jeden. Es geht mit Fremden mit, sucht Nähe zu Menschen, die es kaum kennt, und hält keinen Abstand. Von außen wirkt das oft wie ein besonders offenes Kind. Diese Form ist selten.

Bei beiden gilt: Eine Autismus-Spektrum-Störung sieht im Verhalten ähnlich aus und muss vorher ausgeschlossen werden.

Wenn ein Pflegekind bei Dir lebt, begegnet Dir das eventuell häufiger. Einige Pflegekinder bringen genau diese Geschichte mit. Das, was Du heute an Verhalten siehst, hat seinen Ursprung in einer Zeit, in der Du noch gar nicht dabei warst. Das macht es nicht leichter, jedoch erklärbar.

Umgangssprachlich wird dafür häufig der Begriff Bindungstrauma verwendet. Gemeint ist meist dasselbe.⁴

Lässt sich ein Trauma bei Kindern lösen?

Ja, ein Trauma lässt sich lösen. Es ist nichts, was für immer bleiben muss. Kinder verarbeiten, wenn sie Hilfe und die richtigen Bedingungen bekommen.

Unbehandelt kann ein Trauma in eine psychische Erkrankung münden. Das ist kein Grund für Panik, gleichzeitig ein guter Grund, nicht abzuwarten.

„Verwundete Kinderseelen heilen” von Levine und Kline hält für die einzelnen Trauma-Arten konkrete Wege bereit. Dahinter stehen ein paar Grundhaltungen, die in jeder Situation tragen:

Ruhig zu bleiben, wenn Dein Kind es nicht kann. Hinzuschauen, was Dein Kind gerade fühlt und braucht und mit ihm gemeinsam zu suchen, wie sich das erfüllen lässt. Seine Gefühle gelten zu lassen, auch die unbequemen. Da zu sein, körperlich und innerlich. Und Dein Kind zu schützen, wo es sich selbst noch nicht schützen kann.

Das ist viel verlangt an Tagen, an denen Du selbst leer bist. Deshalb gehört Deine eigene Begleitung dazu als ein Teil der Sache.

Eine Empfehlung: Tita Kern, „Leuchtturm sein — Trauma verstehen und betroffenen Kindern helfen”, Kösel 2019.

Übrigens: Auch als Erwachsene kannst Du Dich selbst nachbeeltern. Dir im Nachhinein geben, was Dir als Kind gefehlt hat. Entscheidend dafür ist, Selbstverantwortung zu übernehmen. Erst das lässt diesen Prozess wirklich wirken.⁵

Genau hier setzt meine Arbeit an. Ich begegne Mamas empathisch und wertschätzend und begleite sie dabei, sich selbst mit dieser Haltung zu begegnen. Die Gefühle und Bedürfnisse ihres Kindes zu sehen und ihre eigenen gleich mit.

Für Dich als Mama

Du hast bis hierher gelesen, weil Dich etwas umtreibt. Vielleicht hast Du ein paar Anzeichen wiedererkannt. Vielleicht hast Du nur dieses Gefühl, dass etwas nicht stimmt, und niemanden, dem Du das sagen kannst, ohne dass Du gleich beschwichtigt wirst.

Dafür ist mein Kennenlerngespräch da. Wir reden 30 Minuten, Du erzählst, was los ist, und wir schauen gemeinsam, was Dir helfen würde. Kostenlos, unverbindlich, ohne Bewertung und ohne Zeitdruck.

Dieses Gespräch ist auch dafür da, herauszufinden, ob wir zueinander passen. Fachlich und menschlich. Bei einem Thema wie diesem braucht es beides, und wenn es nicht passt, ist das völlig in Ordnung. Dann sagen wir das: Du oder ich.

Mit lieben Grüßen aus der Giraffensprechstunde

Häufige Fragen zu Trauma bei Kindern

Kann ich als Mama erkennen, ob mein Kind ein Trauma hat?

Eine Diagnose stellen kannst Du nicht, und das ist auch nicht Deine Aufgabe. Achte auf Veränderungen im Verhalten: Rückzug, Rückfall in frühere Verhaltensweisen, Übererregung, Erstarren oder starke Stimmungswechsel. Die Anzeichen zeigen sich je nach Alter anders. Kommt Dir etwas komisch vor, lass es abklären.

Kann ein Trauma auch durch etwas Normales wie eine OP entstehen?

Ja. Entscheidend ist die Reaktion des Nervensystems Deines Kindes, nicht wie gefährlich ein Ereignis objektiv war.

Wie lange nach einem Ereignis können Anzeichen auftreten?

Manche zeigen sich sofort, andere erst Monate später. Ein zeitlicher Abstand bedeutet nicht, dass es nichts miteinander zu tun hat.

Bin ich schuld, wenn mein Kind ein Trauma hat?

Nein. Ein Trauma entsteht durch das, was ein Kind erlebt, und durch die Art, wie sein Nervensystem darauf reagiert. Vieles davon passiert außerhalb Deines Einflusses, wie ein Unfall, eine OP, etwas in der Schule. Was Du beeinflussen kannst, ist das, was danach kommt. Mehr dazu in [Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich nicht weiterweiß].

Was ist der Unterschied zwischen Trauma und ADHS?

Von außen sieht beides ähnlich aus: Unruhe, Konzentrationsschwierigkeiten, Übererregung. Der Unterschied liegt in der Ursache. ADHS entsteht durch das Zusammenwirken mehrerer biologischer und umweltbedingter Einflüsse. Bei einem traumatisierten Kind steht der Körper unter Daueralarm nach einem Erlebnis. Und: Beides kann gleichzeitig vorliegen. Eine ADHS-Diagnose schließt ein Trauma nicht aus. Die fachlichen Unterschiede hat Hannah Schmidt-Pott ausführlich aufgeschrieben.

Was ist Dissoziation bei Kindern?

Dissoziation ist ein Schutzmechanismus: Dein Kind schaltet innerlich ab und wirkt wie weggetreten, wenn es eine Situation nicht mehr aushalten kann. Es sollte in diesem Zustand nie allein gelassen werden.

Was ist ein Bindungstrauma?

Umgangssprachlich ist damit meist eine Bindungsstörung gemeint. Die entsteht durch Vernachlässigung, Misshandlung oder ständig wechselnde Bezugspersonen über lange Zeit, nicht durch eine schwierige Phase, eine Trennung oder eine Zeit, in der Du selbst wenig geben konntest. Diagnostiziert wird sie zwischen dem ersten und dem fünften Lebensjahr. Wenn Du tiefer einsteigen willst: „Wo ist Wilma? Ein Bilderbuch über Bindungsmuster” von Dr. Thomas Köhler-Saretzki erklärt Bindungsmuster als Bildergeschichte. Das ist etwas anderes als eine Bindungsstörung und hilft trotzdem beim Verstehen.

Wo finde ich Hilfe, wenn ich vermute, dass mein Kind ein Trauma hat?

Die Nummer gegen Kummer, die Erziehungsberatungsstelle Deiner Stadt, der Kinderschutzdienst, Kinder- und Jugendpsychotherapeut:innen und Traumaambulanzen sind erste Anlaufstellen. Ein Kennenlerngespräch mit mir kann ein weiterer erster Schritt sein.

Danksagung


Dieser Artikel ist auch deshalb entstanden, weil ich in diesem Jahr die Weiterbildung „Basisqualifikation Psychotrauma” besuchen durfte. Für mich war das mehr als Fachwissen. Ich bin dieser Weiterbildung nicht nur als Beraterin begegnet, sondern auch als Mama, die selbst einen langen Weg mit dem Thema Trauma gegangen ist. Lernen und ein Stück weit Heilen lagen dabei nah beieinander. Ein herzliches Dankeschön an Katharina Kautzsch und Jana Gries — rundum gelungen, und ich durfte dabei wirklich viel dazulernen, fachlich wie persönlich.


Quellen
¹ Peter A. Levine, Ann Frederick: Trauma-Heilung, Synthesis, 1998
² Peter A. Levine, Maggie Kline: Verwundete Kinderseelen heilen, 2019, S. 35
³ Alexander Korittko, Hannover, 2014
⁴ Korittko, A. (2021): Trauma-assoziierte Diagnosen nach ICD-11. Vortragsunterlage, Zentrum für Psychotraumatologie und Traumatherapie Niedersachsen (ZPTN) · Maercker, A. & Eberle, D. J. (2022): Was bringt die ICD-11 im Bereich der trauma- und belastungsbezogenen Diagnosen? Verhaltenstherapie 32(3), S. 62–71
⁵ Katharina Kautzsch: Geborgenheitserleben in Krisen, Leid und Trauer, Edition Leidfaden, Vandenhoeck & Ruprecht, 2025, S. 88 ff. und S. 101 ff.
Weitere Quellen: Fischer, G. & Riedesser, P. (2009): Lehrbuch der Psychotraumatologie · Bessel van der Kolk: Verkörperter Schrecken · Dr. Thomas Köhler-Saretzki: Wo ist Wilma? Ein Bilderbuch über Bindungsmuster · Tita Kern: Leuchtturm sein — Trauma verstehen und betroffenen Kindern helfen, Kösel, 2019



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